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Unerlaubte Vorteilsnahme beim Rückenschwimmen?

Vor einigen Wochen fanden die Schwimmweltmeisterschaften der Masters statt. Mit meinen Ergebnissen war ich sehr zufrieden. Doch die Freude darüber hielt nicht lange an, denn mir wurde im Nachgang unerlaubte Vorteilsnahme unterstellt durch Ziehen an der Leine beim Rückenschwimmen.

Dieser Vorwurf hat mich sehr schockiert und mich als Sportler, der stets den fairen Wettbewerb mit Leidenschaft führt, sehr bewegt. Denn zu keiner Zeit war es meine Absicht, mir irgendwelche Vorteile zu erschleichen. 

Vielmehr ist es so, dass ich unter schwierigen Bedingungen beim Rückenschwimmen nicht immer geradeaus schwimmen kann. Freibäder und Schwimmhallen mit schrägen Dachkonstruktionen oder anderen Besonderheiten (schräg platzierte Anzeigetafeln, sehr große und hohe Hallen, fehlende 15m Leinen, …) erhöhen mein Risiko, im schlimmsten Fall in die Leine zu schwimmen oder an der Leine entlangzuschleifen. Ich denke viele Rückenschwimmer kennen das Problem und sind unterschiedlich stark davon betroffen.

Als ehemaliger Langstreckenschwimmer hat das Rückenschwimmen nie eine Rolle für mich gespielt. Erst nach meinem Neustart habe ich das Lagenschwimmen lieben gelernt und mich dadurch zwangsläufig mit dem Rückenschwimmen beschäftigt. Schnell musste ich feststellen, dass mich die oben beschriebenen Bedingungen aus dem Konzept bringen. 2021 ist dann auch der Supergau bei einem Wettkampf passiert. Beinahe wäre ich sogar über die Leine auf die andere Bahn geschwommen (siehe Video). Wenig später habe ich mir meine Hand verletzt, weil ich bei hoher Geschwindigkeit mit dem kleinen Finger in die Leine gekommen bin (siehe Bild). Ich möchte hier das Wort Panik vermeiden, aber ich habe seitdem mit allen Mitteln versucht, einen Einschlag in die Leine oder gar eine Verletzung zu vermeiden. Wenn ich also in die Situation gekommen bin, dass die Leine bereits an meiner Schulter, Hüfte oder an den Beinen gerieben hat, oder ich die Leine plötzlich sehr nahe aus dem Augenwinkel gesehen habe, dann habe ich mit 2-3 Zügen an der Leine den Abstand zur Leine wieder hergestellt und mich wieder ausgerichtet und orientiert, was von außen aussah wie Ziehen an der Leine. Aus meiner Sicht ist mir hieraus kein Vorteil entstanden.

Daraus leite ich folgende zwei Konsequenzen für mich ab: erstens werde ich den Nachteil, der bei einem regelkonformen Kontakt mit der Leine entsteht, ab sofort in Kauf nehmen und zweitens werde ich mich, falls es erneut zu einem nicht regelkonformen Kontakt kommen sollte, selbst disqualifizieren.  

Mittlerweile habe ich schon viel ausprobiert, um die Linie zu halten beim Rückenschwimmen (Kopf so hoch, dass ich die Leine immer sehe, Fixpunkte anvisieren, nicht zu den anderen Schwimmern schauen, …). Auch kenne ich mittlerweile einige Gründe, die bei mir zu einer Schieflage führen. Eventuell bekomme ich ja noch einen entscheidenden Tipp, der mich besser geradeausschwimmen läßt. Aber letztendlich werde ich es auch zukünftig nicht 100%tig schaffen, geradeaus zu schwimmen. Daher denke ich, dass meine oben beschriebenen Konsequenzen der einzige, richtige Weg für mich ist, mit dem Problem zukünftig umzugehen, denn der Schwimmsport ist und bleibt meine Leidenschaft.

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